Alex und seine Katzen

Am Anfang als Alex den ersten Tag zu uns kam, war nicht sicher wie unsere Katzen reagieren würden. Bis dahin kannten unsere drei Katzen keine Hunde mit Ausnahme von Winni.  Winni, der zuerst meiner Mutter gehörte kam aus einer Zucht in der auch Hunde lebten. Wir hatten Alex an einem Freitag geholt, damit wir erstmal übers Wochenende sehen konnten wie sich die vierer Bande versteht und ob Alex wirklich auch an Katzen gewöhnt war. Als wir mit ihm nach Hause kamen waren alle drei Katzen im Hof. Simon ging gleich ganz mutig mit einem riesigen dicken Schwanz auf Alex zu und fauchte ihn an was das Zeug hält. Alex drehte sich weg. Sheela hingegen, ich glaub wenn sie könnte würde sie immer die Füße vor die Augen machen und sagen " Ach nö nicht noch ein Tier - nicht schon wieder". Sheela war unsere erste Katze und am Anfang die ersten Jahre ganz alleine bis Simon kam.  Sie hat somit jeden Hauszuwachs mit bekommen. Sheela saß also auf der Hausmauer und beäugte Alex nur und schaute abwechselnd auch zu uns als wolle sie fragen " Bleibt der echt". Winni hingegen lief gleich auf Alex zu ohne Angst zu zeigen. Er ging bis kurz vor Alex und setzte sich hin. Eigentlich war Winni eher ein schüchterner bis ängstlicher Kater, der an manchen Tagen schwer einzuschätzen war. Es gab Zeiten, da kam man in die Küche und er tat so als hätte er uns noch nie gesehen und sauste wie ein Blitz davon. An manchen Tagen war er sehr anhänglich und wich uns nicht vom Bein.  Alex reagierte ganz klasse und tat sehr desinteressiert. Er stand im Hof und harrte den Dingen die da kommen. Die nächsten Wochen gewöhnten sich alle aneinander. Sheela ignorierte ihn aber respektierte, dass er jetzt auch bei uns wohnte. Simon fing an mit ihm zu schmusen. Sobald er an Alex vorbei lief gab er ihm Köpfchen. Mit Winni entwickelte sich eine gute  Freundschaft und die beiden spielten sehr viel mit einander.

Er jagte Winni gerne durch die Katzenklappe. Das war ein Spiel zwischen den beiden. Alex jagte Winni im Flur durch die Katzenklappe in die Küche und wartete dann bis die Katzenklappe von der Küche in den Vorratsraum klapperte. Dies war sein Zeichen und er rannte, wie von einer Tarantel gestochen in den Hof, ums Haus herum und wartete an der Katzenklappe vom Vorratsraum zum Hof bis Winni den Kopf durch streckte. Alex leckte ihm dann quer über das Gesicht und Winni ging durch die Katzenklappe wieder zurück in die Küche. Alex natürlich wieder wie ein Wilder zurück in den Flur und war voller Erwartung bis der Kopf von Winni durch die Katzenklappe erschien. Das ging öfter so und beide schienen es zu genießen. Am Anfang dachten wir an den armen Winni und wollten es unterbinden bis wir mit bekamen, dass Winni, sobald Alex nicht rannte, er ihn aufforderte.

Sehr schlimm war für Alex als Winni am 08.04.2006 verstarb.

Den ganzen Tag über war alles sehr unruhig und Alex hatte kaum etwas gegessen. Ich gab ihm Nachmittags einen kleinen Knochen, den er so liebte aber selbst diesen rührte er nicht an.

Als wir abends gegen 22 Uhr beim Fernsehen saßen, hörten wir vom Hof einen ganz jämmerlichen Schrei von Alex. Dieser Schrei ging bei uns beiden durch Mark und Bein. Mein Mann und ich rannten in den Hof und sahen Alex auf dem Boden liegen. Er fiepst und jammerte ganz schrecklich. Als wir bei ihm waren, sahen wir vor ihm Winnipuh  liegen. Zuerst dachten wir, dass Alex was passiert sei aber als Winni nicht weg rannte wussten wir, dass etwas mit ihm nicht stimmen konnte. Meinen Mann musste Alex fest halten, damit ich zu Winni konnte. Er wollte nicht von Winnis Seite weichen und schrie weiterhin wie verrückt. Als ich bei Winni war, trug ich ihn erst mal ins Haus und ging mit ihm ins Badezimmer. Im Badezimmer stellte ich fest, dass Winnipuh an beiden Hinterläufen keine Kraft mehr hatte zu laufen. Sie waren wie gelähmt.  Zuerst dachte ich, dass Alex ihm vielleicht etwas getan hat, was ich mir aber nicht erklären konnte da die beiden die dicksten Freunde waren. Bisswunden oder ähnliches konnte ich bei Winni auch nicht fest stellen.

Wir packten Winni und Alex ein und fuhren sofort nach Bad Kreuznach zur Tierklinik. Wie immer war es ja Sonntag Abend und alle Tierärzte hatten zu. Da wir die einzige waren, kamen wir auch sofort dran. Ein Arzt untersuchte Winni und stellte fest, dass tatsächlich beide Hinterläufe absolut gelähmt seine. Beim Herz abhören stellte er auch eine Unregelmäßigkeit fest und meinte, dass dies eine Ursache des Herzens sei. Er zeigte uns zwei Möglichkeiten auf. Die eine wäre gewesen Winni beide Hinterläufe zu amputieren, was meiner Meinung eine Qual für Winni gewesen wäre, noch dazu wäre das Problem mit dem Herzen immer noch gewesen. Die zweite Möglichkeit war Winni zu erlösen. Wir mussten nicht lange überlegen, denn für uns stand fest, dass wir das unser lieben Winni nicht antun wollten. Er schlief in meinen Armen ein. Heinz ging in der Zeit mit Alex raus, da wir nicht sicher waren wie er reagieren würde.

Als ich dann mit dem toten Winnipuh im Korb zurück in Auto kam, fing Alex fürchterlich an zu winseln. Ich war eh schon fix und fertig, denn wir dachten eigentlich mit einer weiteren Spritze dürften wir Winni normal und gesund wieder mit nach Hause nehmen. Ansonsten hätten wir Alex erst gar nicht mit genommen. Alex winselte und jammerte die ganze Fahrt nach hause. Vielleicht muss ich auch dazu sagen, dass Alex immer schon ausrastete, wenn Katzen in einem Korb zum Tierarzt mussten. Alex bewachte den Korb wie ein Irrer und man konnte ihn kaum halten. Nicht das Alex gebissen hätte oder ähnliches, er wollte nur beim Korb sein und ihn nicht aus den Augen verlieren. Jeder konnte und durfte an den Korb dran.

Da Winni die frühere Katze meiner Mutter war, fuhren wir auf der Rückfahrt noch mal bei ihr kurz vorbei. Wir hatten sie telefonisch bereits verständigt und sie wollte auch Abschied von Winni nehmen. Als wir dann nach Hause kamen, es war so gegen 24 Uhr wollten wir Winni, vor allem auch wegen Alex, gleich im Garten noch beerdigen. Ich ging mit Alex ins Haus während Heinz im Garten die Grube aushob.

Alex rannte im Haus hin und her und wollte unbedingt raus in den Hof. Ich konnte ihn überhaupt nicht beruhigen. Wir wussten nicht wie wir uns richtig verhalten sollen. Sollten wir Alex Winni noch mal zeigen oder lieber nicht. Wir beschlossen ihn noch mal kurz zu zeigen. Als Heinz fertig war mit der Grube, lies ich Alex in den Hof. Er rannte sofort an en Korb. Ich öffnete ihn und Alex bellte Winni an. Ich sah fast nichts mehr durch meine verheulten Augen. Es war schon schlimm genug Winni zu verlieren aber noch mit an zu sehen wie Alex litt war zuviel. Ich schloss den Korb und gab Heinz eine Decke für Winni und ging mit Alex ins Haus. Alex legte sich dann hin. Heinz beerdigte Winni alleine und ich blieb im Haus bei Alex. Alex schlief dann auch bald ein.

Die nächste Zeit Alex war sehr träge und schlief viel und wenn er wach war, lief er im Hof umher als ob er Winni suchen würde. Ständig stand oder lag er an der Katzenklappe im Flur oder im Hof und wartete. Als ich abends die Katzen fütterte kam Alex sofort in die Küche gerannt. Er schaute sich um und ging wieder zurück auf seinen Platz. Auch wenn mir das keiner glauben sollte aber ich hatte das Gefühl er hätte geschaut ob Winni da ist und als er ihn nicht sah, legte er sich wieder hin. Ich machte mir schon Sorgen Alex könnte vielleicht am Grab von Winni anfangen zu buddeln aber er tat es nicht. Die beiden anderen Katzen schien es gar nicht aufzufallen, dass Winni nicht mehr da war.

Wir beschlossen eine kleine Babykatze für Alex (und für uns) zu holen und so kam Sina zu uns.


aktualisiert: 06.01.2007